Schlafwandeln


















Schlafwandeln: Wenn der Körper schläft, aber nicht ruht
Schlafwandeln – medizinisch Somnambulismus genannt – ist ein faszinierendes, manchmal beunruhigendes Phänomen, bei dem Menschen im Schlaf komplexe Handlungen ausführen, ohne dabei bei Bewusstsein zu sein. Aber was passiert eigentlich beim Schlafwandeln, wie häufig kommt es vor, was verursacht es und wie sollte man als Betroffener oder Angehöriger damit umgehen?
Was ist Schlafwandeln?
Beim Schlafwandeln steht der Betroffene nachts aus dem Bett auf und bewegt sich umher, häufig mit offenen Augen und ausdruckslosem Gesicht. Typische Verhaltensweisen reichen von einfachen Bewegungen wie Aufstehen oder Umhergehen bis zu komplexeren Handlungen wie Anziehen, Öffnen von Türen oder selten sogar Autofahren. Währenddessen befinden sich Schlafwandler in einer Art „Zwischenzustand“: Gehirnareale für Bewegung sind aktiv, das Bewusstsein aber ist ausgeschaltet. Nach dem Ereignis können sich die Betroffenen meist an nichts erinnern.
Wann und wie häufig tritt Schlafwandeln auf?
Schlafwandeln kommt vor allem bei Kindern zwischen vier und zwölf Jahren vor – etwa 10–30% der Kinder erleben es mindestens einmal. Bei Erwachsenen ist es seltener (1–2% dauerhaft betroffen). Die Episoden treten meist im ersten Drittel der Nacht während des Tiefschlafs (NREM-Phase 3/4) auf, nicht im Traum-Schlaf (REM).
Ursachen des Schlafwandelns
Die genauen Auslöser sind vielfältig und noch nicht abschließend erforscht. Mögliche Faktoren sind:
- Genetische Veranlagung: Oft gibt es familiäre Häufung.
- Schlafmangel, Stress, Übermüdung
- Fieber (vor allem bei Kindern)
- Alkohol oder bestimmte Medikamente
- Schlafstörungen wie Schlafapnoe
- Psychische Belastungen oder Veränderungen im Alltag
Was hilft im Alltag?
- Schlafzimmer und Wohnung sichern (Fenster/Treppen blockieren, gefährliche Gegenstände entfernen)
- Feste Schlafenszeiten, ausreichend Schlaf
- Stress reduzieren
- Kein Alkohol und keine schweren Mahlzeiten vor dem Schlafengehen
Wer häufig und besonders in riskanten Situationen schlafwandelt, sollte einen Arzt oder Schlafmediziner aufsuchen. In seltenen Fällen kann Schlafwandeln mit anderen Schlafstörungen verwechselt werden (z.B. nächtliche Epilepsie).
Somnambulismus ist eine Schlafstörung und gehört zu der Untergruppe der Parasomnien.
Der aktuelle Forschungsstand, der Untersuchungen in Schlaflabors berücksichtigt, geht davon aus, dass es sich beim Schlafwandeln um eine Störung des Aufwachmechanismus handelt, der abweichend vom Verhalten der meisten Schläfer zu nicht bewussten psychomotorischen Aktivitäten und zum Aufstehen führt. Bei anderen Menschen führt kurzes Aufwachen während des Schlafens nur dazu, dass der Betreffende sich im Bett umdreht oder bewegt und dann weiterschläft. Somnambulismus tritt nur in Tiefschlaf-Phasen auf, nicht in den Traumphasen (REM-Schlaf). Das Phänomen des Nachtwandelns hat in der Regel nichts mit anfallsartigen epileptischen Dämmerattacken zu tun.
Nicht unbedingt nur als Schlafstörung ist der mit dem Nachtwandeln verbundene veränderte Bewusstseinszustand zu bewerten, der nicht nur mittels Hypnose, sondern auch als Dämmerschlaf zu Heilzwecken eingesetzt wurde. Vielfach lösen auch ungewöhnliche Fähigkeiten der Nachtwandler Erstaunen aus. Diese Leistungen werden durch Wegfall von Ängsten und Hemmungen möglich, die das alltägliche Bewusstsein bestimmen. Die sprichwörtliche schlafwandlerische Sicherheit nimmt von da ihren Ausgang.
Bei einer akuten Episode von Somnambulie sollten die Betroffenen möglichst nicht forciert geweckt werden, da eine starke Schläfrigkeit und Schlaftrunkenheit bestehen. Kehrt ein Betroffener nicht allein ins Bett zurück, sollte er vorsichtig dorthin gebracht werden; leichtes Berühren und Lenken in die richtige Richtung können schon ausreichen. Eine spezifische Therapie mit verlässlichen Prognosen gibt es nicht. Von Medikamenten raten die meisten Fachleute ab.